Arbeitspakete

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines integrierten Konzeptes einer Urban Sharing Society, das Upscaling-Potenziale entlang von drei Ansatzpunkten (Lebensstile, Unternehmen, Politik) und auf drei Analyseebenen (Geschäftsmodelle, Narrative und Wirkungspotenziale) untersucht.

Arbeitspaket Lebensstile

Alexandra Kessler
Ansprechpartnerin

Kontakt: a.kessler@scp-centre.org

Nachhaltige Lebensstile und soziale Wirkungen von Sharing

Dieses Arbeitspaket befasst sich mit Sharing – verstanden als Teilen, Tauschen und Teilhabe – auf der individuellen und gesellschaftlichen Ebene. Anhand der Analyse von Lebensstilen und Sharingaktivitäten (z.B. in zivilgesellschaftlichen Initiativen) sollen folgende Fragen untersucht werden:

  • Welche sozialen Auswirkungen hat Sharing? Welche Netzwerke entstehen durch Sharing und inwiefern hat dies (positive) Auswirkungen auf beteiligte Personen, Gruppen und die Entwicklung des Stadtteils/ der Stadt?
  • Welche Strategien und Wege der Verbreitung von Sharingpraktiken lassen sich beobachten? Welche sind davon besonders erfolgreich und können für die Ausweitung anderer Praktiken empfohlen werden?
    • Wie können Sharingaktivitäten mit positiven Auswirkungen so gestaltet werden, dass sie möglichst viele Nutzergruppen aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen ansprechen, dass sich also die Praktiken in diverse Lebensstile integrieren lassen?
    • Inwieweit trägt eine Professionalisierung von zivilgesellschaftlichen Initiativen zur Verbreitung positiver Praktiken bei?

In der Anwendung auf die Stadt Wuppertal werden in qualitativen Interviews und durch die Analyse von Netzwerken die Erfahrungen von Personen, die sich an Sharing Aktivitäten beteiligen, vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Verhaltensweisen und Lebensstile, ausgewertet. Dazu werden mehrere Fälle ausgewählt, wie z.B. existierende Initiativen oder Aktivitäten oder von Praxispartnern geplante Interventionen.

Arbeitspaket Unternehmensstrategien

Upscaling von Sharing durch Unternehmensstrategien und -kooperationen

Dieses Arbeitspaket beschäftigt sich mit der Rolle von Unternehmen mit einem Fokus auf etablierten Unternehmensakteuren und deren Strategien im Umgang mit Sharing.

  • Über welche neuen und bestehenden Sharing-Praktiken übersetzen Unternehmen den Trend in ihre Aktivitäten?
  • Wie entstehen Strategien sowohl unternehmensintern als auch im Wechselspiel mit anderen Unternehmensakteuren?
  • Welche Strategien führen zu einer Verbreitung von Sharing-Praktiken?
  • Wie kann Strategiebildung gezielt angestoßen werden?

Der geografische Fokus liegt dabei auf der Stadt Wuppertal als gemeinsamem Reallabor und physischer Schnittstelle mit den anderen Arbeitspaketen. Durch die enge Zusammenarbeit mit einigen ausgewählten unternehmerischen Praxispartnern und die Initiierung verschiedener Interventionen, auch in Zusammenspiel mit anderen Akteuren in der Stadt, soll Strategiebildung beobachtet, aber auch bewusst angestoßen werden. Interventionen in Form von Veranstaltungen und Workshops finden in Zusammenarbeit mit anderen Arbeitspaketen statt. Insbesondere besteht eine enge Verknüpfung mit AP 6 und dessen komplementärem Zugang über Geschäftsmodelle.

Arbeitspaket Policies

Politische Upscaling-Strategien und städtische Eigenart

Dieses Arbeitspaket untersucht politische Prozesse an konkreten Sharing-Beispielen. Ziel ist es dabei insbesondere, Strategien zu identifizieren, durch die (die Förderung von) Sharing Anschluss an die politische Agenda einer Stadt finden kann. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage der Verortung dieser Strategien in einem konkreten urbanen Kontext, der im Reallabor Wuppertal untersucht wird.

  • Welche Strategien nutzen Akteure, um ihren Themen innerhalb der politischen Agenda der Stadt Geltung zu verschaffen?
  • Welche Rolle spielen Narrative für die Anschlussfähigkeit von Sharing innerhalb der übergeordneten Prozesse des politischen Agenda Settings?
  • Inwiefern müssen konkrete Akteurskonstellationen und Narrative als charakteristisch für einen konkreten Kontext verstanden werden – und was bedeutet das für die Übertragbarkeit von Strategien auf andere Städte?

Das Besondere des urbanen Kontexts Wuppertal wird in Anlehnung an den „normativen Kompass“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zur Transformation der Städte als „Eigenart“ konzipiert. AP 4 operationalisiert Eigenart als das Zusammenspiel konkreter, für Wuppertal spezifischer Akteure im diskursiven Kontext der Stadt. Dafür nimmt AP 4 einerseits die Entwicklung der politischen Agenda der Stadt auf einer übergeordneten Ebene um Themen wie z. B. die Entwicklung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts oder die anstehende Kommunalwahl in den Blick. Andererseits werden in der Zusammenarbeit mit ausgewählten Akteuren aus Wuppertal Strategien untersucht und Schnittstellen zu diesen übergeordneten Entwicklungen ausgelotet. In Zusammenarbeit mit AP 7 steht dabei insbesondere die Rolle von Narrativen für die Konstruktion von Herausforderungen und Lösungswegen beim Agenda Setting im Fokus.

Arbeitspaket Umweltbewertung

Paul Suski
Ansprechpartner

Kontakt: paul.suski@wupperinst.org

Umweltbewertung einer Urban Sharing Society

In diesem Arbeitspaket werden Umweltpotentiale von Sharing-Praktiken analysiert. Dazu sollen quantitative Daten zu strukturellen Verhältnissen in den Konsumfeldern Ernährung, Freizeit, Konsum, Mobilität, Urlaub und Wohnen erfasst werden, um potentielle Verschiebungen in der Konsumstruktur (d. h. Rebound-Effekte) zu berücksichtigen. Dadurch sollen einige der quantifizierbaren Effekte des Sharings aufgedeckt und anschließend die globalen  umweltbezogenen Auswirkungen davon ermittelt werden. Einige der dazugehörenden Fragen lauten:

  • Können die Sharing Economy und die damit einhergehenden Praktiken des Teilens grundsätzlich als Baustein einer Transformation in Richtung Nachhaltigkeit angesehen werden?
  • Wenn ja, welche gestalterischen Elemente benötigen entsprechende Praktiken des Teilens in der Sphäre der Produktion und des Konsums, um Wirkung zu entfalten?
  • Welche soziodemografische Differenzierung ist notwendig, um die Trends in der Lebensstilentwicklung abzubilden?

Die Untersuchung der mit der Sharing Economy verbundenen Effekte erfordert u. a. eine genauere Analyse der Verhaltensweise und Entscheidungen der daran beteiligten Akteure, insbesondere auf der Seite der Nutzer. Im Rahmen dieser Untersuchung werden solche Daten und Analyseergebnisse mit Erkenntnissen aus anderen Systembetrachtungsebenen (Mikro, Meso und Makro) sowohl in der Konsum- als auch in der Produktionssphäre der Ökonomie kombiniert. Somit wird mit diesem AP der Versuch unternommen, die analytischen Potentiale des Mikro-Meso-Makro-Link-Ansatzes für die Transformationsforschung herauszustellen. Darüber hinaus sollen methodische Erkenntnisse gewonnen werden, welche die Analyse der Auswirkungen solcher Praktiken in anderen Bereichen erleichtern.

Arbeitspaket Geschäftsmodelle

Resiliente Sharing-Geschäftsmodelle einer Urban Sharing Society

Ziel dieses Arbeitspakets ist es, Geschäftsmodelle zu identifizieren, die im urbanen Kontext als ökonomischer Katalysator zu einem Upscaling, also einer Diffusion von Sharing-Praktiken und einer Sharing-Kultur, beitragen. Da gesellschaftliche Entwicklungen von weit mehr als von ökonomischen und technologischen Innovationen geprägt und immer in soziale und kulturelle Wandelprozesse eingebettet sind, werden Unternehmen hier mit Hilfe des Geschäftsmodell-Ansatzes sowohl aus ökonomisch-technischer als auch aus sozial-kultureller Perspektive beleuchtet. Die Sichtweise auf Unternehmen im AP ist damit transformationsorientiert und zielt auf die Rolle von Unternehmen als strukturpolitische Akteure (Schneidewind 1998) einer künftigen Sharing Society und den dafür notwendigen resilienten Geschäftsmodellen ab. Das AP fragt daher, wie sich eine Sharing-basierte Wirtschaftsweise im Kontext sich verändernder Lebensstile und Politiken unter Berücksichtigung ökologischer Grenzen in künftigen Geschäftsmodellen niederschlagen kann.

  • Welche Rolle spielen Unternehmen für das Upscaling von nachhaltigen Sharing-Praktiken und welche Geschäftsmodelle sind hierfür geeignet?
  • Wie übersetzen Unternehmen neue Trends wie Sharing und Digitalisierung in ihr Geschäftsmodell, und wie nutzen sie diese, um sich neue Handlungsspielräume zu erarbeiten?
  • Wie kann die Bezugnahme auf die kulturelle und soziale Einbettung der Unternehmen helfen, neue Handlungsspielräume hierfür zu erkennen und auszuweiten?
  • Inwiefern kann Sharing so als Brückenkonzept dazu beitragen, Übergänge von klassischer zu alternativer Ökonomie für Unternehmen gangbar machen?

Allerdings wird der Trend Sharing trotz seiner hohen ökologischen und sozialen Potentiale von etablierten Unternehmen eher dafür genutzt, klassische Handlungsspielräume im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit zu erweitern. Daher soll mit Hilfe dieser Fragen im AP 6 ausgelotet werden, ob sich mit Hilfe von Sharing auch Handlungsspielräume in Sinne der Nachhaltigkeit erweitern lassen und ob sich damit die ökonomisch-ökologischen Schnittstellen vergrößern. Aufbauend auf einer Analyse der unterschiedlichen Sharing-Geschäftsmodelle und der jeweiligen Übersetzung in die Unternehmen, werden mit bestehenden Wuppertaler Unternehmens-Praxispartner und Wuppertaler Sharing-Angeboten Geschäftsmodell-Werkstätten entwickelt.

Diese dienen der transdisziplinären Wissensintegration und sollen helfen, zu verstehen, wie Unternehmen neue Zugänge zur Geschäftsmodellentwicklung finden und neue Handlungsspielräume entstehen.

Arbeitspaket Narrative

Narrative einer Urban Sharing Society

Ziel dieses Arbeitspakets ist es, Narrative zu identifizieren und zu entwickeln, die als kultureller Katalysator zur Diffusion von Sharing-Praktiken und Geschäftsmodellen im urbanen Kontext beitragen. Dieses Ziel wird als wesentlich gesehen vor dem Hintergrund der Annahme, dass eine Urban Sharing Society auf weit mehr als digital vernetzten und effizienten Angebots- und Nutzungsmustern basiert, sondern mit einem umfassenden kulturellen Wandel verbunden ist. Hier spielen also die Wert- und Zukunftsvorstellungen, die das Handeln von Akteuren prägen, eine Rolle und damit auch Sprache als Instrument, welches die Wirklichkeit nicht einfach beschreibt, sondern diese beeinflusst und (re)produziert.

  • Wie gelingt es Akteuren, kreativ mit dominanten (diskursiven) Strukturen umzugehen, diese zu verändern und neue Handlungsspielräume aufzuzeigen?
  • Welche Rolle spielen Narrative bei der Legitimierung von politischen Strategien im Bereich Sharing, der Entwicklung unternehmerischer Upscaling-Strategien und im Kontext nachhaltiger Lebensstile?
  • Wie befördern Narrative des Teilens neue Formen urbaner Governance und Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft?

Global gesehen werden auf die konkreten Fragen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Sharing Economy sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Daher gilt es zunächst zu reflektieren, wie geeignete Maßnahmen für individuelle städtische Kontexte aussehen können, aber auch was von unterschiedlichen Modellen oder Best Practice Cases internationaler „Sharing Cities“ gelernt werden kann. Im Reallabor Wuppertal sollen dann gemeinsam mit den Praxispartner*innen Sharing-Narrative für Wuppertal entwickelt und erprobt werden. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern Narrative zu einem partizipativen bzw. kooperativen Governance-Prozess beitragen. Wo und wie können Narrative entwickelt werden, die Anknüpfungspunkte für verschiedene Akteursgruppen bieten, zwischen konkurrierenden Vorstellungen vermitteln und (kollektive) Handlungsalternativen aufzeigen? Mit Hilfe von Narrative-Network-Analysen soll untersucht werden, welche Möglichkeiten städtische Politik, Bürger*innen, Initiativen und Unternehmen nutzen, um auf den urbanen Transformations- bzw. Governance-Prozess Einfluss zu nehmen. Gemeinsam mit den Wuppertaler Praxispartner*innen sollen Narrativ-Werkstätten als methodisches Format entwickelt werden, in dem die prägenden Narrative innerhalb einer Stadtgesellschaft identifiziert und in einem transdisziplinären Prozess geteilte Narrative entwickelt werden, die das Upscaling einer Urban Sharing Society befördern.